Infrarotsauna — Der komplette Ratgeber 2026

Moderne Infrarotsauna aus Zedernholz mit Vollspektrum-Strahlern Moderne Infrarotsauna aus Zedernholz mit Vollspektrum-Strahlern
💡 Gut zu wissen: Infrarotsaunen erwärmen nicht die Luft, sondern direkt deinen Körper. Bei nur 40-60°C schwitzt du genauso intensiv wie in einer finnischen Sauna bei 80-100°C. Der Stromverbrauch liegt bei einem Drittel, die Aufheizzeit bei null. Kein Wunder, dass Infrarotkabinen der am schnellsten wachsende Sauna-Typ in Deutschland sind.

Als ich vor 12 Jahren meine erste Infrarotsauna ausprobierte, war ich skeptisch. Kann eine Holzkabine bei 50°C wirklich das gleiche Erlebnis bieten wie eine richtige Sauna? Ich saß also in dieser scheinbar lauwarmen Kabine — und nach 15 Minuten lief mir der Schweiß in Strömen herunter. Nicht von der heißen Luft, sondern von innen heraus.

Seitdem habe ich über 30 verschiedene Infrarotkabinen analysiert, alle drei Strahlertypen in meiner Werkstatt getestet und die Technik dahinter gründlich recherchiert. In diesem Ratgeber teile ich alles, was ich über Infrarotsaunen weiß — von der Physik der Strahlung bis zur ehrlichen Bewertung, für wen sich eine IR-Kabine lohnt und für wen nicht.

1. Was ist eine Infrarotsauna? Funktionsweise einfach erklärt

Eine Infrarotsauna — auch Infrarotkabine oder Wärmekabine genannt — ist eine Holzkabine mit eingebauten Infrarotstrahlern. Anders als eine finnische Sauna, die einen Ofen nutzt, um die Raumluft auf 80-100°C zu erhitzen, senden die Strahler Infrarotlicht aus, das den Körper direkt erwärmt.

Das Prinzip kennst du von der Sonne: Wenn du an einem kühlen Herbsttag in der Sonne stehst, spürst du Wärme — obwohl die Luft kalt ist. Das ist Infrarotstrahlung. Die Kabine macht dasselbe, nur kontrolliert und ohne UV-Strahlung.

Die Physik dahinter

Infrarotstrahlung ist elektromagnetische Strahlung im Wellenlängenbereich von 780 nm bis 1 mm. Für Saunen sind drei Bereiche relevant:

Die meisten Infrarotsaunen arbeiten mit IR-B und IR-C Strahlung. Vollspektrumstrahler kombinieren alle drei Bereiche und sind damit am vielseitigsten.

Was passiert im Körper?

Die Infrarotstrahlung wird von der Haut absorbiert und in Wärme umgewandelt. Der Körper reagiert wie bei jeder Überwärmung:

  1. Blutgefäße weiten sich — die Durchblutung steigt um das 2-3-Fache
  2. Herzfrequenz erhöht sich — von 60-70 auf 100-120 Schläge/Minute
  3. Schweißproduktion startet — der Körper kühlt sich durch Verdunstung
  4. Stoffwechsel beschleunigt sich — der Grundumsatz steigt um 20-40%
  5. Endorphine werden ausgeschüttet — das Wohlfühlgefühl setzt ein

Der entscheidende Unterschied zur finnischen Sauna: Diese Prozesse starten bei deutlich niedrigerer Raumtemperatur (40-60°C statt 80-100°C), was den Kreislauf weniger belastet. Das macht Infrarotsaunen für viele Menschen zugänglicher — ältere Personen, Bluthochdruckpatienten oder Sauna-Anfänger, die sich bei 90°C unwohl fühlen.

2. Die 3 Strahlertypen: Keramik, Fläche, Vollspektrum

Der Strahler ist das Herzstück jeder Infrarotkabine. Und hier beginnt die Verwirrung: Hersteller werfen mit Begriffen wie „Tiefenwärme", „Vollspektrum" und „medizinisch geprüft" um sich. Lass mich die drei Haupttypen nüchtern erklären.

Keramikstrahler (Stabstrahler)

Keramikstrahler bestehen aus einem Keramikrohr, das elektrisch erhitzt wird. Sie senden primär IR-B und IR-C Strahlung aus und werden sehr heiß (300-500°C Oberfläche). Die Wärme ist punktuell und intensiv — du spürst deutlich, wo der Strahler sitzt.

Vorteile:

Nachteile:

Mein Urteil: Solide Einstiegsklasse. Für preisbewusste Käufer, die eine effektive Infrarotsauna suchen, absolut brauchbar. In meiner Werkstatt hatte ich 3 Jahre einen Keramikstrahler — er hat seinen Job gemacht.

Flächenstrahler (Carbonflächenstrahler)

Flächenstrahler bestehen aus großflächigen Heizpaneelen mit Carbon-Beschichtung. Sie werden weniger heiß (70-120°C Oberfläche) und verteilen die Wärme gleichmäßig über eine große Fläche. Primär IR-C Strahlung.

Vorteile:

Nachteile:

Mein Urteil: Der Komfort-Champion. Wer es sanft und gleichmäßig mag, ist mit Flächenstrahlern gut bedient. Die medizinische Wirkung ist allerdings etwas schwächer als bei den anderen Typen.

Vollspektrumstrahler

Vollspektrumstrahler emittieren IR-A, IR-B und IR-C Strahlung gleichzeitig. Sie arbeiten mit Halogenlampen oder speziellen Quarzröhren und erreichen das breiteste Wellenlängenspektrum. Medizinisch die interessanteste Option.

Vorteile:

Nachteile:

Mein Urteil: Wenn du bereit bist, mehr zu investieren und die Infrarotsauna primär für gesundheitliche Zwecke nutzt (Schmerztherapie, Hautprobleme, Gesundheit), ist Vollspektrum die beste Wahl. Für reine Entspannung reichen Flächen- oder Keramikstrahler.

Strahlertypen im direkten Vergleich

Merkmal Keramik Fläche Vollspektrum
Wellenlänge IR-B, IR-C IR-C IR-A, IR-B, IR-C
Eindringtiefe 1-2 mm 0,5-1 mm Bis 5 mm
Wärmeverteilung Punktuell Gleichmäßig Mittel
Aufheizzeit 2-5 Min. 5-10 Min. Sofort
Preisniveau €€ €€€ €€€€
Ideal für Einsteiger, Budget Komfort, Familie Gesundheit, Therapie

3. Gesundheitliche Wirkung — was Studien belegen

Die Gesundheitseffekte von Saunen sind gut erforscht — speziell für Infrarotsaunen gibt es ebenfalls eine wachsende Studienlage. Hier die wichtigsten belegten Wirkungen:

Herz-Kreislauf-System

Eine japanische Studie mit 129 Herzinsuffizienz-Patienten zeigte, dass tägliche 15-minütige Infrarotsauna-Sitzungen über 2 Wochen die Herzfunktion signifikant verbesserten. Die Patienten hatten weniger Herzrhythmusstörungen, bessere Durchblutung und geringere Entzündungswerte im Blut.[1]

Besonders interessant: Infrarotsaunen erhöhen die Herzfrequenz nur moderat (auf 100-120 bpm statt 130-150 bei finnischer Sauna), was sie für herzkranke Patienten sicherer macht.

Schmerzlinderung bei Rheuma und Arthrose

Eine niederländische Studie untersuchte 17 Rheumatismus-Patienten und 17 Spondylitis-Patienten, die über 4 Wochen regelmäßig Infrarotsaunen nutzten. Ergebnis: Signifikante Schmerzreduktion (um 40-60%), weniger Steifigkeit und bessere Beweglichkeit — ohne Nebenwirkungen.[2]

Aus meinem eigenen Umfeld: Mein Vater (72) nutzt seit 2 Jahren eine Infrarotkabine für seine Knie-Arthrose. Er sagt, es sei das einzige, was neben Ibuprofen wirklich hilft — und er braucht jetzt weniger Tabletten.

Hautgesundheit und Anti-Aging

IR-A Strahlung (Vollspektrum) stimuliert die Kollagenproduktion in der Lederhaut. Studien zeigen nach 12 Wochen regelmäßiger Anwendung straffere Haut, weniger feine Fältchen und eine verbesserte Wundheilung. Der Effekt ist stärker als bei Ferninfrarot allein.[3]

Entgiftung — Mythos oder Realität?

Lassen wir die Kirche im Dorf: Dein Körper „entgiftet" primär über Leber und Nieren, nicht über den Schweiß. Allerdings zeigen Studien, dass Infrarotsauna-Schweiß tatsächlich höhere Konzentrationen von Schwermetallen (Blei, Cadmium, Arsen) enthält als normaler Schweiß. Der klinische Nutzen ist umstritten, aber die Daten existieren.[4]

Mein ehrliches Fazit: „Entgiftung" ist ein überladener Marketing-Begriff. Dass regelmäßiges Schwitzen den Körper bei der Ausscheidung von Schadstoffen unterstützen kann, ist plausibel — aber kein Ersatz für eine gesunde Lebensweise.

Stressabbau und Schlafqualität

Wie bei allen Saunaformen senkt auch die Infrarotsauna den Cortisol-Spiegel und erhöht die Endorphin-Ausschüttung. Die niedrigere Temperatur empfinden viele Menschen als weniger belastend, was den Entspannungseffekt verstärkt. Besonders abends 1-2 Stunden vor dem Schlafen kann eine Infrarot-Sitzung die Schlafqualität deutlich verbessern.

4. Infrarotsauna vs. finnische Sauna — der ehrliche Vergleich

Die häufigste Frage, die mir gestellt wird: „Soll ich mir eine Infrarotsauna oder eine richtige Sauna kaufen?" Die Antwort hängt davon ab, was du suchst.

Kriterium Infrarotsauna Finnische Sauna
Temperatur 40-60°C 80-100°C
Aufheizzeit 0-10 Min. 30-60 Min.
Sitzungsdauer 30-45 Min. 3×15 Min.
Aufguss möglich Nein Ja
Stromverbrauch/Sitzung 0,25-0,45 € 1,50-3,00 €
Platzbedarf (2 Pers.) ~1,5 m² ~4 m²
Stromanschluss 230V Steckdose 400V Starkstrom
Anschaffungskosten 800-3.000 € 2.000-10.000 €
Kreislaufbelastung Moderat Hoch
Geselligkeit 1-2 Personen 2-6 Personen

Wann Infrarotsauna die bessere Wahl ist

Wann finnische Sauna die bessere Wahl ist

Meine persönliche Meinung: Ich besitze beide — eine Infrarotkabine im Keller für den schnellen Saunagang unter der Woche und eine Fasssauna im Garten für das Wochenend-Ritual mit Familie. Wenn ich nur eine wählen müsste? Dann die finnische Sauna. Aber wenn Platz oder Budget begrenzt sind, ist die Infrarotsauna ein hervorragender Kompromiss.

5. Kosten: Anschaffung, Strom & laufender Betrieb

Was kostet eine Infrarotsauna wirklich? Ich rechne ehrlich — inklusive der versteckten Kosten, die Hersteller gerne verschweigen.

Anschaffungskosten nach Kategorie

Kategorie Preisspanne Personen Strahler
Einstieg 600-1.200 € 1 Keramik
Mittelklasse 1.200-2.500 € 2 Fläche/Keramik
Premium 2.500-5.000 € 2-3 Vollspektrum
Luxus 5.000-10.000 € 3-4 Vollspektrum + Extras

Stromkosten pro Sitzung

Rechnung für eine typische 2-Personen-Kabine (2 kW Leistung, 30 Minuten, 0,35 €/kWh):

2 kW × 0,5 Stunden × 0,35 €/kWh = 0,35 € pro Sitzung

Bei 3 Sitzungen pro Woche sind das 4,55 € pro Monat. Zum Vergleich: Eine finnische Sauna mit 8 kW Ofen (45 Min. Vorheizzeit + 45 Min. Nutzung = 1,5 Stunden) kostet bei gleicher Frequenz 54,60 € pro Monat. Die Infrarotsauna ist damit um Faktor 12 günstiger im Betrieb.

Versteckte Kosten

6. Infrarotsauna kaufen — worauf du achten musst

Der Markt für Infrarotsaunen ist unübersichtlich. Hunderte Modelle, viele Billig-Importe, kaum unabhängige Tests. Hier sind die Kriterien, die wirklich zählen:

Holzart

Das Holz bestimmt Haltbarkeit, Geruch und Optik. Die gängigsten Optionen:

Strahleranzahl und -position

Achte darauf, dass Strahler an mehreren Positionen verbaut sind — idealerweise:

Kabinen mit nur 2-3 Strahlern im Rückenbereich sind günstiger, erwärmen aber nur einen Teil des Körpers. Für therapeutische Nutzung empfehle ich mindestens 5 Strahler.

Sicherheit und Zertifizierungen

Ausstattung — nötig vs. nice-to-have

Nötig:

Nice-to-have:

Mein Tipp: Investiere in gute Strahler und gutes Holz. Die Extras sind nett, machen den Sauna-Effekt aber nicht besser.

7. Aufbau & Platzbedarf: Passt eine IR-Kabine zu dir?

Einer der größten Vorteile der Infrarotsauna: Sie braucht erstaunlich wenig Platz.

Platzbedarf nach Größe

Kabinengröße Außenmaße (ca.) Stellfläche Aufstellort
1 Person 90×90 cm ~1 m² Badezimmer, Abstellraum
2 Personen 120×100 cm ~1,5 m² Schlafzimmer, Keller
3 Personen 150×120 cm ~2 m² Keller, Hobbyraum
4 Personen 180×120 cm ~2,5 m² Keller, Wellnessraum

Voraussetzungen für den Aufstellort

Aufbau — wie schwierig ist es?

Die meisten modernen Infrarotkabinen sind Stecksysteme. Wände, Decke und Boden werden zusammengesteckt, Strahler sind vormontiert, Kabel verbunden. 2 Personen, 1-2 Stunden, kein Werkzeug nötig. Ich habe meine erste IR-Kabine alleine in 90 Minuten aufgebaut — mit einer Tasse Kaffee in der Hand.

8. Richtig nutzen: Temperatur, Dauer & Häufigkeit

Die optimale Nutzung einer Infrarotsauna unterscheidet sich deutlich von der finnischen Sauna. Hier ein praxiserprobter Leitfaden:

Für Anfänger (erste 2 Wochen)

Für Fortgeschrittene

Wichtige Tipps aus meiner Erfahrung

  1. Vorheizen ist optional: Du kannst sofort einsteigen. Viele mögen es, wenn die Kabine langsam aufheizt — das ist eine persönliche Präferenz
  2. Handtuch unterlegen: Immer ein Saunatuch auf die Sitzfläche und Rückenlehne legen
  3. Nicht essen vorher: Mindestens 1 Stunde Abstand zur letzten Mahlzeit
  4. Kleidung: Am besten nackt oder nur mit einem leichten Tuch. Kleidung absorbiert die IR-Strahlung
  5. Abends nutzen: 1-2 Stunden vor dem Schlafen ist ideal für die Schlafqualität
  6. Kein Alkohol: Vor und direkt nach der Sitzung — Dehydrierungsrisiko

9. Die wichtigsten Hersteller im Überblick

Der deutsche Markt wird von einer Handvoll Marken dominiert. Hier eine ehrliche Einordnung:

Mein Rat: Kaufe nicht die billigste Kabine unter 600 €. Die Holzqualität, Strahlerlebensdauer und Verarbeitung rechtfertigen bei Markenherstellern den Aufpreis. Eine gute Infrarotsauna hält 15-20 Jahre — auf die Nutzungsdauer gerechnet sind selbst 3.000 € eine lohnende Investition.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist eine Infrarotsauna?

Eine Wärmekabine, die den Körper direkt mit Infrarotstrahlung erwärmt — nicht die Luft. Bei 40-60°C (statt 80-100°C bei finnischer Sauna) schwitzt du intensiv durch Tiefenwärme. Kein Dampf, kein Aufguss, dafür geringer Stromverbrauch und schneller Start.

Ist eine Infrarotsauna gesund?

Ja. Studien belegen positive Effekte auf Herz-Kreislauf, Schmerzlinderung (Rheuma, Arthrose), Hautgesundheit, Stressabbau und Schlafqualität. Die niedrigere Temperatur macht sie auch für kreislaufschwächere Personen geeignet.

Wie viel Strom verbraucht eine Infrarotsauna?

Eine 2-Personen-Kabine (2 kW) verbraucht bei 30 Minuten Nutzung etwa 1 kWh — das sind ca. 0,35 € pro Sitzung. Bei 3× wöchentlich: unter 5 €/Monat. Etwa 12× günstiger als eine finnische Sauna.

Keramik, Fläche oder Vollspektrum — welcher Strahler ist der beste?

Keramik: Günstig und effektiv (Einstieg). Fläche: Gleichmäßig und sanft (Komfort). Vollspektrum: Medizinisch am wirksamsten, höchste Eindringtiefe (Therapie). Für die meisten Nutzer bieten Flächenstrahler das beste Gesamtpaket.

Infrarotsauna oder finnische Sauna?

Infrarot: wenig Platz, 230V-Steckdose, spontane Nutzung, schonender Kreislauf, günstiger. Finnisch: klassisches Sauna-Erlebnis mit Aufguss, mehr Platz für Gesellschaft, stärkere Herz-Kreislauf-Wirkung. Idealerweise: beide.

Alexander Krüger
Alexander Krüger — 🔥 Schreinermeister & Sauna-Experte seit 2008. Hat über 30 Infrarotkabinen analysiert und alle drei Strahlertypen in der eigenen Werkstatt verglichen. 🔥
Quellen
  1. Tei, C. et al.: „Waon Therapy for Managing Chronic Heart Failure." Circulation Journal, 71(1), 2007.
  2. Oosterveld, F.G. et al.: „Infrared sauna in patients with rheumatoid arthritis and ankylosing spondylitis." Clinical Rheumatology, 28(1), 2009.
  3. Barolet, D. et al.: „Infrared and skin: Friend or foe." Journal of Photochemistry and Photobiology, 155, 2016.
  4. Sears, M.E. et al.: „Arsenic, Cadmium, Lead, and Mercury in Sweat." Journal of Environmental and Public Health, 2012.