Aufguss-Ritual — Ablauf, Technik & die besten Tipps
Der Aufguss verwandelt trockene Hitze in sinnliches Erlebnis — Wasserdampf, Duft und Wärme in perfekter Balance.
Kaum etwas polarisiert in der Saunawelt so sehr wie der Aufguss. Für Einsteiger wirkt er wie eine überraschende Hitzewelle aus dem Nichts — für Kenner ist er das Highlight jedes Saunagangs, ein Ritual, das Körper und Geist gleichermaßen trifft. Doch zwischen einem guten und einem schlechten Aufguss liegen Welten: zu viel Wasser, falsche Technik, billiges Öl oder schlechtes Timing können das Erlebnis ruinieren.
In diesem Ratgeber erkläre ich dir alles, was du über den Aufguss wissen musst: von der Geschichte und Tradition über den klassischen Ablauf Schritt für Schritt, die richtige Wassermenge und Technik, die beliebtesten Düfte mit ihrer jeweiligen Wirkung, das nötige Zubehör bis hin zur professionellen Wedeltechnik — und ich zeige dir, welche Fehler selbst erfahrene Saunagänger immer wieder machen.
🔥 Was ist ein Aufguss? Definition, Herkunft & Tradition
Der Saunaaufguss — auf Finnisch löyly — ist das Gießen von Wasser auf die erhitzten Saunasteine des Ofens. Das Wasser verdampft schlagartig und verwandelt trockene Saunawärme in feucht-heißen Wasserdampf. Die gefühlte Temperatur steigt dabei innerhalb von Sekunden erheblich an, obwohl die tatsächliche Lufttemperatur kaum zunimmt. Der Effekt: Schweißdrüsen arbeiten auf Hochtouren, die Durchblutung wird massiv angeregt, Muskeln entspannen sich tiefer.
Das Wort löyly bezeichnet im Finnischen nicht nur den Dampfstoß, sondern auch den „Geist der Sauna" — es trägt kulturelle und fast spirituelle Bedeutung. In Finnland ist die Sauna seit Jahrhunderten ein zentraler Ort des Lebens: hier wurden Kinder geboren, Kranke gepflegt, Verhandlungen geführt und das Leben zelebriert. Der Aufguss war stets das Herzstück dieses Rituals, ein bewusstes, fast meditatives Innehalten. Kein Wunder, dass die finnische Sauna-Tradition seit 2020 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.
In Deutschland ist der Aufguss eng mit dem Konzept der finnischen Trockensauna verknüpft — Temperaturen zwischen 80 und 100 °C, niedrige Luftfeuchtigkeit (10–20 %), die durch den Aufguss kurzzeitig auf 30–50 % steigen kann. Das unterscheidet ihn grundlegend vom Dampfbad, das dauerhaft hohe Feuchtigkeit hat. In der Bio-Sauna wiederum werden mildere Aufgüsse bei niedrigeren Temperaturen (50–65 °C) eingesetzt, oft mit intensiveren Duftölen.
Aus meiner Erfahrung nach hunderten von Saunagängen kann ich sagen: ein gut gesetzter Aufguss mit dem richtigen Duft und präziser Wedeltechnik übertrifft jedes andere Wärme-Erlebnis. Es ist Physik, Kultur und Genuss in einem.
📋 Ablauf eines klassischen Aufgusses — Schritt für Schritt
Aufgusskelle in Aktion: Das Wasser trifft auf heiße Steine und wird sofort zu Dampf — der Moment, der den Aufguss ausmacht.
Ein klassischer Aufguss in der finnischen Tradition folgt einem klaren Ablauf, der Sicherheit, Wirkung und Genuss miteinander verbindet. Hier ist der bewährte Ablauf, den ich selbst seit Jahren praktiziere:
Schritt 1: Vorbereitung (vor dem Einsteigen)
Stelle sicher, dass der Ofen vollständig aufgeheizt ist — bei einer Fasssauna oder Gartensauna mindestens 45–60 Minuten, bei einem Elektroofen 30–40 Minuten. Die Steine müssen tief durchgeglüht sein, sonst entsteht kein richtiger Dampf, sondern nur lauwarm feuchte Luft. Zieltemperatur: mindestens 80 °C, ideal 85–95 °C.
Bereite deine Aufgussmischung vor: 100–150 ml Wasser in der Aufgusskelle mit 3–5 Tropfen Aufgussöl. Rühre gut um, damit sich das Öl gleichmäßig verteilt.
Schritt 2: Einstieg & Akklimatisierung (0–3 Min.)
Betritt die Sauna, lege das Saunatuch aus und nimm Platz — am besten auf der mittleren oder oberen Bank, je nach persönlicher Hitzetoleranz. Lass deinen Körper 3–5 Minuten akklimatisieren, bevor der erste Aufguss kommt. Die Haut öffnet die Poren, die Muskeln beginnen zu entspannen, der Kreislauf stellt sich um.
Schritt 3: Erster Aufguss (3–5 Min.)
Gieße die erste Portion Wasser (40–60 ml) langsam und kontrolliert auf die Mitte der Steine. Nicht zu schnell, nicht in einem Schwall — ein gleichmäßiger, dünner Strahl erzeugt den besten Dampfstoß. Sofort nach dem Aufguss beginnt das Wedeln (dazu mehr im Wedeltechnik-Abschnitt).
Schritt 4: Pause & zweiter Aufguss (5–8 Min.)
Warte 2–3 Minuten, bis der erste Dampfstoß abgeklungen ist und du die reine Hitze wieder spürst. Dann kommt der zweite Aufguss mit weiteren 40–60 ml Wasser. Viele erfahrene Saunagänger sagen, der zweite Aufguss ist der intensivste — denn der Körper ist jetzt maximal aufgeheizt und der Dampf trifft auf schon geöffnete Poren.
Schritt 5: Optionaler dritter Aufguss & Abschluss (8–12 Min.)
Ein dritter Aufguss ist optional — für Intensivlinge und wenn die Steintemperatur noch ausreicht. Danach bleibt man noch 2–3 Minuten sitzen, atmet bewusst durch und genießt das Gefühl der vollständigen Körperwärme.
Schritt 6: Abkühlung & Ruhe
Verlasse die Sauna ruhig und zügig. Kühle dich ab — zuerst an der frischen Luft, dann mit einem kühlen Tauchbad oder einer Kaltdusche. Anschließend mindestens 15–20 Minuten Ruhe. Dieser Regenerationsphase wird zu wenig Bedeutung beigemessen: Sie ist ebenso wichtig wie der Aufguss selbst. Wer den Gesundheitseffekt maximieren will, findet mehr Informationen in unserem Ratgeber zur Sauna und dem Immunsystem.
💧 Die richtige Aufguss-Technik: Wasser, Menge & Timing
Die meisten Aufguss-Fehler passieren nicht beim Duft, sondern bei der Technik. Das klingt übertrieben, aber ein schlechter Aufguss kann die Steine zerstören, den Ofen beschädigen und den gesamten Saunagang ruinieren. Hier sind die Parameter, die wirklich zählen:
🌡️ Wassertemperatur
Verwende lauwarmes bis warmes Wasser (20–40 °C) — niemals eiskaltes Wasser direkt aus dem Hahn. Eiskaltes Wasser erzeugt einen zu abrupten Temperaturschock auf den Steinen, kann zu Steinrissen führen und erzeugt zudem unangenehmeren, stechenden Dampf. Lauwarmes Wasser verdampft weicher und gleichmäßiger.
💦 Wassermenge
Pro Aufguss insgesamt 100–150 ml, aufgeteilt auf 2–3 Güsse. Das klingt nach wenig — ist es auch. Viele Anfänger schütten zu viel auf einmal auf die Steine, was die Temperatur drastisch senkt und keinen ordentlichen Dampf erzeugt. Die Faustregel: weniger, aber öfter ist besser als einmal sehr viel.
Für eine große finnische Sauna mit 8–10 kg Steinen kann man bis zu 200 ml verwenden. Bei kleineren Öfen (z. B. in einer 2-Personen-Sauna) sollten 80–100 ml reichen.
🎯 Gießtechnik
Gieße das Wasser aus 20–30 cm Abstand auf die Mitte der Steinschicht, nicht auf einzelne Steine am Rand. Ein langsamer, kreisförmiger Schwung über die Steine erzeugt gleichmäßigeren Dampf als ein einziger Guss auf eine Stelle. Halte die Kelle schräg, nicht senkrecht — so verteilt sich das Wasser besser.
⏱️ Timing zwischen den Güssen
Warte nach jedem Guss mindestens 30–60 Sekunden, bevor du den nächsten setzt. Die Steine brauchen diese kurze Zeit, um die verlorene Energie wieder aufzunehmen. Wenn du zu schnell nachgießt, kühlen die Steine aus und der letzte Guss landet auf zu kalten Steinen — Ergebnis: feuchte, unangenehmte Luft statt trockener Dampfstoß.
🌿 Aufguss-Düfte und ihre Wirkung
Die Wahl des Dufts beeinflusst nicht nur den Geruch, sondern auch die physiologische Wirkung des Aufgusses.
Das Aufguss-Öl ist die Seele des Aufgusses. Der Duft hat eine direkte physiologische Wirkung: Ätherische Öle werden über die heiße Luft aufgenommen, gelangen über die Atemwege ins Blut und wirken — je nach Öl — anregend, beruhigend, schleimlösend oder entzündungshemmend. Hier sind die beliebtesten Düfte und ihre spezifischen Wirkungen:
🌿 Eukalyptus — der Klassiker
Eukalyptusöl ist das meistverwendete Aufguss-Öl in deutschen Saunas. Der Wirkstoff Cineol wirkt schleimlösend, entzündungshemmend und unterstützt die Atemwege. Ideal bei Erkältungssymptomen, Atemwegsproblemen und für intensive Saunagänge im Winter. Dosierung: 3–5 Tropfen auf 100 ml Wasser. Intensität: mittel bis stark.
❄️ Menthol/Minze — kühlend und intensiv
Trotz der Hitze in der Sauna erzeugt Menthol ein intensives Kühlegefühl auf Haut und Atemwegen — ein paradoxer, aber sehr beliebter Effekt. Menthol-Aufgüsse sind jedoch sehr intensiv und nichts für Einsteiger. Auch für Menschen mit Asthma oder empfindlichen Atemwegen mit Vorsicht zu genießen. Intensität: sehr stark. Dosierung: 2–3 Tropfen maximal.
🌲 Birke — mild und traditionell finnisch
Birke (koivu auf Finnisch) ist der traditionellste aller Saunadüfte — kein Zufall, denn in der finnischen Sauna wurden früher frische Birkenzweige (vihta) als natürlicher Aufguss und Massage-Besen verwendet. Der Duft ist mild, leicht holzig-grün und gut verträglich. Perfekt für Anfänger und für ruhige, entspannende Saunagänge. Intensität: mild. Für jeden geeignet.
🍋 Zitrus (Orange, Zitrone, Grapefruit) — belebend
Zitrusöle wirken psychisch belebend, stimmungsaufhellend und anregend. Sie sind ideal für den ersten Aufguss des Tages oder wenn man nach dem Saunieren noch aktiv sein will. Zitronenöl hat zudem schwach antiseptische Eigenschaften. Intensität: leicht bis mittel. Gut verträglich.
🌲 Kiefernnadel & Fichte — Waldluft pur
Nadelholz-Düfte wie Kiefer, Fichte oder Tanne erzeugen das Gefühl eines Waldspaziergangs in der Sauna. Sie wirken leicht schleimlösend, erdend und beruhigend. Besonders beliebt in Kombination mit anderen Ölen. Intensität: mild bis mittel.
🌹 Lavendel — Entspannung & Schlaf
Lavendel ist der klassische Entspannungsduft. Im Abend-Saunagang eingesetzt fördert er Tiefenentspannung und bereitet den Körper auf erholsamen Schlaf vor. Lavendel passt gut zu Menthol oder Eukalyptus in Kombinations-Aufgüssen. Intensität: mild bis mittel.
→ Aufguss-Öl Set bei Amazon ansehen*
🛠️ Aufguss-Zubehör: Was du wirklich brauchst
Für einen guten Aufguss brauchst du kein teures Equipment — aber das richtige Zubehör macht einen spürbaren Unterschied. Hier sind die Grundausstattung und sinnvolle Extras:
🪣 Aufgusskelle und Eimer
Das wichtigste Zubehör überhaupt. Eine gute Aufgusskelle aus Holz oder Edelstahl mit einem Fassungsvermögen von 400–600 ml ist Standard. Der Saunaeimer (1–2 Liter) dient als Vorrat für mehrere Aufgüsse. Holzeimer sind traditionell und hübsch, Edelstahl ist hygienischer und langlebiger. Achte auf Hitzebeständigkeit — billiger Kunststoff hat in der Sauna nichts verloren.
→ Saunakelle & Eimer bei Amazon ansehen*
🪨 Saunasteine
Die Qualität der Saunasteine beeinflusst maßgeblich die Dampfqualität. Schlechte Steine platzen oder zerbröckeln mit der Zeit und setzen mineralische Stäube frei. Empfohlen werden Olivin-Diabas, Peridotit oder Vulkangestein — sie sind hitzestabil und geben einen angenehm weichen Dampf ab. Steine alle 2–3 Jahre erneuern und zwischendurch abspülen.
🌬️ Aufguss-Tuch / Wedelhandschuh
Ein großes Leinentuch oder ein spezieller Saunawedel (aus Filz oder Leinen) ist das Werkzeug für die Wedelbewegungen. Einige Aufgussmacher bevorzugen fächerartige Wedel aus Holz oder Pappe. Für Einsteiger reicht ein normales Handtuch oder ein festes Blatt Pappe vollkommen.
⏱️ Sanduhr & Thermometer
Eine 10–15-Minuten-Sanduhr hilft dir, den Saunagang zu timen. Ein zuverlässiges Sauna-Thermometer mit Hygrometer (Feuchtigkeitsmesser) zeigt dir sowohl Temperatur als auch Luftfeuchtigkeit — unverzichtbar, um Aufguss-Wirkung und Saunaklima zu verstehen.
🧴 Komplette Aufguss-Sets
Für Einsteiger empfehle ich ein komplettes Aufguss-Set, das Kelle, Eimer, mehrere Duftöle und Zubehör kombiniert. Das ist meist günstiger als Einzelkauf und du hast sofort alles zur Hand.
→ Komplettes Aufguss-Set bei Amazon ansehen*
🌀 Wedeltechnik für Profis
Der Saunameister als Dirigent: Die Wedeltechnik entscheidet, wie gleichmäßig der Dampf auf alle Saunagäste verteilt wird.
Das Wedeln ist die hohe Schule des Aufgusses. In öffentlichen Saunas ist es die Kunst des Aufgussmeisters — in der eigenen Sauna beherrschst du sie selbst. Ziel der Wedeltechnik ist es, den entstehenden Dampf gleichmäßig im Raum zu verteilen und gezielt auf die Gäste zu lenken. Richtig gemacht intensiviert das Wedeln den Wärmeimpuls deutlich.
Grundprinzip: Heißluft von oben nach unten
In der Sauna ist die Luft mehrschichtig: oben (an der Decke) ist es am heißesten, unten am kühlsten. Das Wedeln zielt darauf ab, diese heiße Luft von oben nach unten zu bringen und gleichmäßig zu verteilen. Das Ergebnis: ein starker, gleichmäßiger Wärmeimpuls auf alle Saunagäste.
Die klassische Achterbewegung
Stehe mittig in der Sauna, halte das Tuch oder den Wedel mit beiden Händen und mache große, ruhige Achterbewegungen in horizontaler Ebene — von der Decke nach unten wedelnd. Beginne nah an der Ofenseite und bewege dich zur Tür hin, sodass der Dampf gleichmäßig über alle Bänke geführt wird. Tempo: moderat, nicht hektisch — eine Bewegung pro Sekunde ist ideal.
Direktes Anfachen (Spot-Technik)
Für Gäste, die mehr Wärme möchten, kann man gezielt von oben nach unten wedeln — wie ein Dirigent, der einen Windstoß direkt auf eine Person richtet. Dabei das Tuch locker halten und aus dem Handgelenk arbeiten, nicht aus der Schulter — sonst ermüdest du schnell.
Timing: Wann wedeln?
Beginne mit dem Wedeln ca. 10–15 Sekunden nach dem Aufguss — dann ist der erste Dampfschwall entstanden. Wedelst du zu früh, verwirbelt du nur Trockenluft. Wedelst du zu spät, hat sich der Dampf bereits an der Decke verteilt. Das goldene Fenster liegt bei 10–30 Sekunden nach dem Guss.
Wedeln in der privaten Sauna
Für den Heimgebrauch reicht ein großes Handtuch oder Leinentuch (60 × 120 cm). Fächre zuerst die Deckenluft auf und wedele sie dann nach unten — du wirst merken, wie die Wärmewelle spürbar intensiver wird. Für Gartensaunen und Fasssaunas ist die runde Form oft eine Herausforderung für die Wedeltechnik, weil der Raum kleiner ist — hier reicht ein einfacheres Fächern völlig aus.
🏛️ Aufguss in öffentlichen vs. privaten Saunas
Der Aufguss in öffentlichen Saunanlagen und der in der eigenen Heimsauna unterscheiden sich in mehreren wichtigen Punkten, die man kennen sollte:
Öffentliche Sauna
In öffentlichen Saunanlagen ist der Aufguss eine soziale Institution. Festgelegte Aufgusszeiten (oft stündlich), ein professioneller Aufgussmeister, meist mehrere Duftthemen pro Woche und manchmal sogar aufwendige Zeremonien mit Show-Elementen. Die Sauna-Etikette ist wichtig: Immer rechtzeitig kommen (Tür zu Beginn des Aufgusses nicht mehr öffnen!), ruhig bleiben, kein Handy, anderen Platz lassen.
Ein Aufgussmeister in einer öffentlichen Einrichtung trainiert Monate bis Jahre, um die Technik zu perfektionieren. Wenn du das erste Mal einen professionellen Aufguss erlebst, achte auf seine Handhabung von Kelle, Timing und Wedeltechnik — sehr lehrreich.
Private Heimsauna
Zuhause bist du dein eigener Aufgussmeister. Das gibt dir maximale Freiheit: Duft nach Lust, Intensität nach Bedarf, Timing ganz individuell. Du musst keine Rücksicht auf andere Badegäste nehmen und kannst ausprobieren und experimentieren. Für Fortgeschrittene ist die Heimsauna der ideale Übungsort.
Achte bei der privaten Sauna darauf, dass der Ofen für Aufgüsse geeignet ist. Infrarotsaunen beispielsweise sind für Aufgüsse nicht geeignet — dort fehlen Saunasteine und die Technologie funktioniert grundlegend anders. Nur Stein-Öfen (elektrisch oder mit Holz) sind aufgusstauglich.
⚠️ Häufige Fehler beim Aufguss
Diese Fehler begegnen mir immer wieder — und die meisten sind leicht zu vermeiden:
❌ Fehler 1: Zu viel Wasser auf einmal
Der häufigste Fehler. Ein großer Schwall Wasser auf die Steine kühlt diese massiv ab, erzeugt keinen trockenen Dampfstoß, sondern feuchte Luft, und kann bei kalten Steinen sogar zu Rissen führen. Regel: nie mehr als 60 ml pro Guss, immer aufteilen.
❌ Fehler 2: Aufguss bei zu niedriger Steintemperatur
Wenn die Steine noch nicht ausreichend aufgeheizt sind (unter 70 °C), verdampft das Wasser nicht sauber. Das Ergebnis ist feuchte, drückende Luft — kein angenehmer Dampfstoß. Immer warten, bis der Ofen wirklich heiß ist.
❌ Fehler 3: Billiges Öl in zu großer Menge
Synthetische Duftöle oder billige Parfümöle können beim Verdampfen unangenehme oder sogar reizende Stoffe freisetzen. Verwende nur speziell ausgewiesene Sauna-Aufgussöle auf ätherischer Basis. Und weniger ist mehr: 3–5 Tropfen auf 100 ml reichen völlig aus.
❌ Fehler 4: Kein Wedeln nach dem Aufguss
Ohne Wedeln steigt der Dampf an die Decke und bleibt dort — die Gäste unten auf den Bänken spüren kaum etwas. Das Wedeln ist kein optionaler Bonus, sondern integraler Bestandteil des Aufgusses.
❌ Fehler 5: Tür öffnen während des Aufgusses
Die Saunatür während oder kurz nach dem Aufguss zu öffnen lässt den kostbaren Dampf entweichen, senkt die Temperatur schlagartig und verdirbt das Erlebnis für alle. In öffentlichen Saunas ist das grobe Unhöflichkeit, zuhause einfach zu vermeiden: Alle rein, Tür zu, dann Aufguss.
❌ Fehler 6: Aufguss trotz gesundheitlicher Einschränkungen
Menschen mit Herzerkrankungen, sehr niedrigem Blutdruck oder in der Schwangerschaft sollten Aufgüsse mit besonderer Vorsicht genießen oder ganz darauf verzichten. Der Wärmeimpuls beim Aufguss ist intensiver als trockene Saunahitze. Im Zweifel immer vorher den Arzt fragen. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu Sauna und Herz-Kreislauf.
❌ Fehler 7: Direkt auf die Steine gießen statt daneben
Wer mit dem Wasserstrahl direkt auf einen einzelnen Stein sikrt, riskiert Steinrisse. Ziele immer auf die Mitte der Steinschicht und verteil das Wasser gleichmäßig über mehrere Steine.
❓ FAQ — Häufige Fragen zum Sauna-Aufguss
Wie viel Wasser nimmt man für einen Aufguss?
Für einen normalen Aufguss reichen 100–150 ml Wasser (mit einigen Tropfen Aufgussöl) pro Aufguss. Das entspricht etwa einer vollen Aufgusskelle. Verteile das Wasser in 2–3 Portionen à 40–60 ml mit je 30–60 Sekunden Abstand, damit die Steine nicht zu schnell abkühlen.
Wie lange dauert ein Saunaaufguss?
Ein klassischer Aufguss dauert 8–12 Minuten, aufgeteilt in 2–3 Wassergüsse mit anschließendem Wedeln. Der gesamte Saunagang inklusive Aufguss sollte 12–15 Minuten nicht überschreiten. Danach folgen Abkühlung und Ruhe.
Welche Aufguss-Öle sind am besten?
Die beliebtesten Aufguss-Öle sind Eukalyptus (schleimlösend, erfrischend), Menthol/Minze (kühlend, intensiv), Birke (mild, traditionell finnisch) und Zitrusöle wie Orange oder Zitrone (belebend). Für Anfänger empfiehlt sich ein mildes Birken- oder Zitrusöl — nur 3–5 Tropfen auf 100 ml Wasser.
Darf man beim Aufguss die Sauna verlassen?
Ja, das ist absolut erlaubt. Besonders in öffentlichen Saunen sollte man die Sauna verlassen, wenn man sich unwohl fühlt — der Dampfstoß erhöht die gefühlte Temperatur deutlich. Schwindel, Übelkeit oder Herzklopfen sind klare Signale, sofort raus zu gehen. Höre immer auf deinen Körper.
Wie oft darf man in einer Sitzung Aufguss machen?
In einer Saunasitzung (ca. 12–15 Min.) macht man üblicherweise 1–3 Aufgüsse. Nach jedem Aufguss mindestens 3–5 Minuten warten. Mehr als 3 Aufgüsse in einer Sitzung sind nicht empfehlenswert, da die Steine zu stark abkühlen und die Saunaatmosphäre leidet.
Quellen & Methodik
- Antti Lanki et al.: „All-cause and cause-specific mortality risks associated with frequent sauna bathing in a general population: the KIHD prospective cohort study." JAMA Internal Medicine, 2015.
- Timo Laukkanen et al.: „Sauna bathing is inversely associated with dementia and Alzheimer's disease." Age and Ageing, 2017.
- Suomen Saunaseura (Finnische Saunavereinigung): Sauna-Leitlinien und Aufguss-Empfehlungen. Helsinki, 2023.
- Harvia Oy: „Saunaöfen Produktspezifikationen & Aufguss-Empfehlungen." 2025.
- Stiftung Warentest: „Saunaöle & Aufgussmittel — Duft und Verträglichkeit im Test." 2024.